Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols

Weingut Anita & Hans Nittnaus, Gols

 

DAS WEINGUT

Die Geschichte des Weinguts ist nicht ohne die Geschichte des Weinbaus im Burgenland zu erzählen. Ausgerechnet 1985 übernehmen Anita und Hans das Weingut in Gols am Neusiedlersee,  genau zu der Zeit, als eine Handvoll gieriger Winzer ihre Weine zwecks Süssung mit Frostschutzmittel panschen. Die Sache fliegt freilich auf: Der Glykol-Skandal. Und skandalös war dieser Skandal ja nicht nur wegen der betrügerischen Machenschaften, sondern – zumindest ein wenig – auch aufgrund der seinerzeit verbreiteten Unsitte, risikolos früh zu lesen und dann erheblich zu süssen! Der Ruf des österreichischen Weines war dahin, der gesamte Weinbau auf der Anklagebank, die Exporte brachen ein. Selbst die ehrenwerten Vertreter wie Hans Nittnaus (der erst ja erst im Jahr des Skandals das Weingut vom Vater übernommen hatte) wurden ungerechtfertigt kollektiv abgestraft. Ein Scherbenhaufen, und ohne das visionäre Standvermögen und die zielstrebige Leidenschaft von Anita und Hans Nittnaus und ihren Kollegen rund um den Neusiedlersee, würden wir wohl heute noch dem österreichischen Wein den Rücken kehren.
 
Doch es kam anders: Was in den nächsten 20 Jahren um den Neusiedlersee geschah ist als «österreichisches Rotweinwunder» ins kollektive Gedächtnis der Weincommunity eingegangen. Und dabei war und ist Hans Nittnaus eine der wichtigsten Triebkräfte dieser Entwicklung. Mit seinem Pannobile (=Pannonien + Nobile),  einer Cuvée aus heimischen Sorten, leitete Hans 1990 die neue Ära ein und vereinte die ehrgeizigsten, talentiertesten und hoffnungsvollsten Winzer im Burgenland in der gleichnamigen und weltweit geachteten Winzergruppe hinter dem Ziel, den Glykol-Skandal durch Qualität, Leidenschaft und Innovation vergessen zu machen, dem österreichischen Wein wieder zu dem zu verhelfen, was ihm gebührt: Anerkennung!


Hans Nittnaus ist ein Vordenker, ein Visionär, aber vor allem: ein begnadeter Winzer. Und dass er dabei immer wieder den Rat namhafter Önologen eingeholt hat – z.B. früher Philippe Ricoux aus Bordeaux oder Pierre Millemann, der auch die Domaine de la Romanée-Conti berät – unterstreicht einmal mehr seinen offenen, strebenden Geist! Früh hat er auf Rotwein (90 % der Rebfläche), einheimische Rebsorten wie Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent und biodynamische Bewirtschaftung gesetzt (2006, zertifiziert). Die Weine sind voller Leben, präzise und ungeschminkt. Holz wird nur noch sehr behutsam eingesetzt, neutrale, grössere Fässer, und auch die Extraktion erfolgt sehr massvoll.  Terroir at it’s best. Und so «gehört» Hans ein fester Platz in den Herzen – und auf dem Treppchen!  X- und zig-fach wurde sein Schaffen mit nationalen und internationalen Preisen bereits geehrt, z.B. der begehrten Falstaff Trophy, sowieso mit 5 von 5 Sternen für das Weingut: Weltklasse!


Seit einigen Jahren arbeitet nun auch Martin, der älteste Sohn, im Weingut. Und wieder spürt man diese visionäre Kraft, diese rastlose Suche nach der perfekten Interpretation des Terroirs. Mit seiner eigenen Linie «Martin Nittnaus» geht er heute noch einen Schritt weiter in Richtung minimale Intervention. Schönung, Filtrierung, selbst Schwefelzusatz werden hier hinterfragt! Der Grüne Veltliner Manila kommt meist ganz ohne zugesetzten Schwefel aus. Und wenn man diesen Wein riecht und schmeckt, dann kann man hier rückwirkend Schwefel nur noch als Sedativ für Wein denken. Was kommt jetzt nicht alles zum Vorschein!  Und dann ist da noch Andreas, der Zweitälteste, der derzeit in Montpellier studiert und künftig in Weinberg und Keller weitere Impulse geben wird.


Das Rotweinwunder hat hier bei Nittnaus also nicht nur seinen Ursprung, sondern auch eine Zukunft! Und so lange – und hoffentlich noch viel länger! – wird Hans die Geschicke lenken, ein rastloser Tüftler, nie ganz zufrieden, immer auf der Suche nach der perfekten Interpretation seines Terroirs. Und – wir fügen es gerne  hinzu – auch fündig!

 

DIE REGION

Das Weinbaugebiet Burgenland im Osten Österreichs umrahmt den Neusiedlersee (DAC Neusiedlersee, Leithaberg, Grosslage Rosalia DAC) und erstreckt sich dann über das Mittelburgenland (DAC) weit in den Süden (Eisenberg DAC). Im kontinentalen Klima – heisse, niederschlagsarme Sommer, kalte, schneearme Winter - mit dem ausgleichenden und wärmespeichernden Neusiedlersee und somit einer langen Vegetationsperiode gedeihen eine Vielfalt an einheimischen und internationalen Rebsorten. Bei den roten  Sorten dominieren Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent und Pinot Noir, bei den weissen Sorten Welschriesling, Grüner Veltliner, Weisser Burgunder und Chardonnay.


Zur Vielfalt der Rebsorten kommt eine Vielfalt sehr unterschiedlicher Terroirs und somit Weinstile. Während auf den Kalk- und Schieferböden im Leithagebirge komplexe, mineralisch-frische und würzige Weissweine und Blaufränkisch und Pinot Noir entstehen, begünstigen die lehmigen Böden des Mittelburgendlands und der Grosslage Rosalisa Rotweine mit einer reife, vollen und tiefe Frucht. Typisch für die sandigen, lehmigen, oft schottrigen Böden im Osten  des Neusiedersees  sind saftige und würzige Zweigelt und St. Laurent. Der Seewinkel mit seiner hohen Luftfeuchtigkeit und herbstlichem Nebel ist dank der geradezu verlässlich auftretenden Edelfäule ein einzigartiges Terroir für grosse Beeren- und Trockenbeerenauslesen. Im Eisenberg DAC begünstigen wiederum die steinigen, schluffigen und tonreichen Böden finessenreiche, würzige und oft markante Weine. Das Burgenland mit seinen über 13000 ha Rebfläche und grossen Vielfalt ist somit nicht nur Wiege des Österreichischen Rotweinwunders, sondern auch Heimat eines der weltbesten Süsswein-Anbaugebiete.